Botschaft vom Rabbiner, Parascha Bo

 

Wir sind jetzt in Parashat Bo. In dieser Parascha haben wir die letzten 3 Plagen in Ägypten, bevor der Pharao die Israeliten befreit. Unsere Parascha beginnt mit בא אל פרעה כי אני הכבדתי את לבו. Gott sagt zu Moshe: „Komm zum Pharao, weil ich sein Herz verhärtet habe.“ Aber viele fragen: Wie konnte der Pharao so dumm und so hartnäckig sein, dass er sogar nach 7 Plagen bei denen er jedes Mal sah, dass genau das passierte vor Moshe sagte, dass es passieren wird – er sich immer noch weigerte sie gehen zu lassen?

Ich denke, wir können dies mit einer Geschichte verstehen, die von Chafetz Chaim – Rabbi Israel Meir Kagan – erzählt wird.

In einer kleinen jüdischen Stadt in Osteuropa gibt es einen reichen Juden namens Yankel. Er ist eine einfache Person, nicht sehr gebildet, was wir auf Jiddisch als „Pushite Yid“ bezeichnen, aber durch die Geschäftige die er macht, hat er gute Beziehungen zur Regierung und kann immer mit der Regierung sprechen, wenn die Juden ein Problem haben.

Eines Tages kommt Yankel zum Gabbai der Synagoge und sagt ihm, dass die Jahrzeit seines Vaters nächste Woche Dienstag ist und er am Dienstag eine Aliya zur Torah haben möchte. Der Gabbai lächelt und sagt: „Lieber Yankel, ich würde dir gerne die Aliya geben, aber wir haben dienstags keine Torah-Lesung, nur montags und donnerstags während der Woche.“

Yankel wird sehr wütend und sagt zu ihm: „ Du lügst! Ich erinnere mich mehr als einmal, dass wir an einem Dienstag die Torah gelesen haben.“ „Das mag sein“, sagt der Gabbai, „in einigen Fällen, wenn Rosh Chodesh auf einen Dienstag oder einen Fastentag fällt, manchmal sogar wenn es ein schlechtes Dekret gibt, kann der Rabbi einen besonderen Fastentag machen, aber diese Woche haben wir am Dienstag keine Lesung.“

Yankel kauft eine Flasche guten Alkohols, geht zum Polizeichef und während er dort sitzt und mit ihm trinkt, sagt er: „Ich mache mir Sorgen um unser Dorf, das außerhalb des Gebietes gebaut wurde, in dem Juden leben dürfen. Eines Tages wird die Regierung kommen, um Sie hier zu überprüfen. Sie werden es sehen und in Schwierigkeiten bringen. Der Polizeichef fragt ihn: „Was soll ich tun?“

Yankel sagt ihm: „Es gibt keine andere Möglichkeit: du musst den Juden sagen, dass alle die Stadt bis zum Ende des Monats verlassen müssen, sonst werden sie gewaltsam ausgewiesen.“

Ein Dekret wurde sofort für an Juden verschickt, dass sie das Dorf verlassen müssen, und natürlich waren sie alle sehr verängstigt, als sich die Nachricht verbreitete. Die Gemeindevorsteher versammelten sich im Haus des Rabbiners, um zu sehen, was getan werden kann. Yankel selbst wurde wegen all seiner Verbindungen ebenfalls eingeladen.

Die Entscheidung war, dass Yankel sich mit dem Polizeichef treffen soll, um zu sehen, ob etwas getan werden kann. Der Termin für das Treffen wurde auf Dienstag festgelegt und der Rabbi erklärte, dass es am Dienstag einen Fastentag geben werde, damit die gesamte Gemeinde für den Erfolg des Treffens beten werde. Der Dienstag kam, Yankel wurde zur Torah gerufen und nach dem Gottesdienst ging er zum Polizeichef, wo er ihn erneut davon überzeugte, dass seine Annahmen falsch waren, und niemand in dieses abgelegenen Dorf kommen wird, um die genauen Linien auf der Karte zu überprüfen. Der Polizeichef sagte, die Juden könnten bleiben und Yankel bekam nicht nur seine Aliyah an einem Dienstag, sondern wurde auch der Held, der alle rettete.

In unserer Parascha haben wir etwas Ähnliches. Der Pharao ist dieselbe Person, die die Plagen verursacht hat, indem er die Israeliten nicht aus Ägypten herausgelassen hat, und dieselbe Person, die sie jedes Mal zum Stoppen gebracht hat, als er sagte, dass er sie jetzt gehen lassen wird. Dies geschieht bei allen 10 Plagen. Aber bei der 10. Plage hat er Angst, als Erstgeborener selbst zu sterben und gibt schliesslich nach.

Dies ist eine sehr wichtige Lektion, die wir in unserem täglichen Leben lernen müssen. Viele unserer Herausforderungen sind Leiden, die wir selbst verursachen und wir haben die Kraft, sie zu stoppen, indem wir nicht so hartnäckig sind. Wir müssen den Menschen um uns herum zuhören. Mögen es die Menschen sein, mit denen wir arbeiten oder unsere Freunde und Familienmitglieder. Gerade jetzt, in Corona-Zeiten, wo wir mehr Zeit zu Hause verbringen, sollten wir besonders vorsichtig sein mit unseren Familienmitgliedern. Wir sollten keine Probleme für uns selbst schaffen, die wir dann lösen müssen, sondern in der Lage sein, Frieden und Harmonie in unseren Häusern zu bewahren.

Mögen wir die Kraft und die Weisheit haben, die richtigen Dinge zu tun und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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Rabbi Weingarten wird Donnerstags von 17 bis 19 Uhr über Zoom wöchentliche Sprechstunden für die Migwan-Gemeinde abhalten. Alle, die mit ihm über etwas sprechen möchten (ja, irgendetwas!), können während dieser Zeit für ein privates Gespräch in seinen Zoomraum kommen oder ihm eine E-Mail an rabbinat@migwan.ch senden, um einen anderen Zeitpunkt zu vereinbaren. Derzeit werden dies virtuelle Meetings sein, künftig in den Räumlichkeiten von Migwan.