Botschaft vom Rabbiner

 

Wir befinden uns jetzt in den Tagen von Sefirat Haomer. Die 49 Tage, die wir vom zweiten Tag von Pessach bis Schawuot zählen. In diesen Tagen ist es Brauch, nicht zu heiraten, die Haare nicht zu schneiden, und manche haben den Brauch, keine Musik zu hören oder neue Kleidung zu kaufen.

Der Hauptgrund für diese symbolischen Trauerrituale geht auf die Zeit von Rabbi Akiva im zweiten Jahrhundert zurück, als dem Talmud zufolge in der Zeit zwischen Pessach und Schawuot 24.000 Schüler von Rabbi Akiva starben, weil sie respektlos miteinander umgingen.

Das ist natürlich eine schreckliche Strafe für etwas, das eine relativ „leichte“ Sünde zu sein scheint, aber es zeigt uns, wie wichtig es ist, einander zu lieben und anderen Menschen gegenüber respektvoll zu sein. Das geht auch auf die Worte von Rabbi Akiva im Jeruschalmi zurück: „Du sollst deinen Nächsten lieben, das ist eine grosse Regel in der Tora“.

Dem Midrasch zufolge befanden sich die Israeliten beim Auszug aus Ägypten bereits in der 49. Pforte der Unreinheit, und kurz bevor sie in die 50. Pforte eintreten sollten, aus der es kein Zurück mehr gibt, wurden sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit.

In den Tagen zwischen Pessach und Schawuot zählen wir das Omer. Das Omer hatte zu Zeiten des Tempels einen sehr technischen Zweck, um zu wissen, wann das nächste Getreideopfer dargebracht werden musste: an Pessach wurde das Weizenopfer dargebracht und an Schawuot das Gerstenopfer.

Aber nachdem die Tempelopfer in unseren Tagen nicht mehr vorhanden sind, haben die Kabbalisten diesen Tagen eine mystischere Bedeutung gegeben, indem sie die Zahl 7×7 mit den 7 unteren Sefirot in Verbindung brachten und diese Tage für den Zweck der Reinigung und Erhöhung nutzten, wobei jeder Tag von Sefirat Haomer eine Kombination von 2 der 7 Sefirot darstellt, was alle 49 Tage zu einem Teil dieser Anstrengung macht, alles zu reparieren, was in unserer Welt kaputt ist.

Der Talmud erzählt uns die Geschichte der Schüler von Rabbi Akiva, um uns eine Lektion in Bezug auf menschliches Verhalten und Respekt gegenüber anderen Menschen zu erteilen: Wenn wir wirklich alles, was in dieser Welt nicht stimmt, in Ordnung bringen wollen, müssen wir damit beginnen, andere Menschen mit Respekt und Würde zu behandeln. Dies ist die zentrale Regel in der Tora nach Hillel und eine große Regel nach Rabbi Akiva, dessen Tod seiner Schüler wir in diesen Tagen betrauern.

Mögen wir wirklich lernen, einander zu respektieren, alle 49 Tore der Reinheit zu durchschreiten und würdig zu sein, die Tora an Schawuot zu empfangen.

 

 

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