Botschaft vom Rabbiner

 

Wir stehen nun im Monat Tamuz. In diesem Monat haben wir den Fastentag vom 17. Tamuz (09.07.), mit dem die drei Wochen der Trauer über die Zerstörung der beiden Tempel in Jerusalem beginnen, die dann am 9. Av enden (30.07.).

Warum wurde der Tempel zerstört? Darauf gibt es natürlich viele Antworten in der rabbinischen Literatur, aber die berühmteste Antwort findet sich im Talmud in Yoma, wo es heisst: Der zweite Tempel, in dem sie Torah lernten – gute Taten taten – warum wurde der zerstört? Wegen Sin’at chinam, grundlosem Hass.

Wir haben eine Version von Hass auch in unserer Parascha: Korach beginnt einen Streit mit Mosche und spaltet die ganze Nation.

Was ist die Behauptung Korachs? Rashi sagt uns, was der Gedankenprozess von Korach war. Er war der Cousin von Mosche, Mosche’s Vater Amram war der älteste Bruder, also verstand Korach, dass diese zwei der Anführer und der Priester sein würden, aber jeder Stamm hatte einen eigenen Anführer, den Nasi. Da Korach der erste Sohn des nächsten Bruders war, sagte er sich, dass diese Position ihm gehört. Aber Moshe gab sie Elitzafan ben Uziel, dem Sohn des jüngsten Bruders und überging damit Korach.

Was tat er darauf hin? Er versammelte 250 ausgesprochen gelehrte Männer, Vorsitzende des Sanhedrin, wie Rashi sagt, und diese kamen dann zu Mosche mit einer Frage. Die Torah sagt uns, das wir wenn wir ein Kleidungsstück mit vier Enden haben, einen Talit, ein Faden blau sein muss. Also trugen sie alle einen Talit, der komplett blau war und fragten: Braucht dieser immer noch einen blauen Faden? Eine andere Frage war, ob ein Raum voller Torarollen eine Mesusa braucht, denn der Text der Mesusa ist ja bereits in den Torarollen. Moshe sagte ja zu beiden Fragen. Also lachten sie über ihn und sagten, dass er nicht weiss, worüber er spricht und dass das keinen Sinn macht.

War all das Sin’at chinam? Hasste Korach Moshe ohne jeden Grund? Natürlich nicht! Er hatte das Gefühl, unfair behandelt zu werden und das war seine Art dagegen zu protestieren. Also was war die grosse Sünde von Korach dann? Gibt es überhaupt so etwas wie Sin’at chinam, grundlosen Hass? Natürlich nicht! Wir finden immer einen Weg Hass gegen andere Menschen zu rechtfertigen, alles basierend auf tatsächlichen Dingen, die sie uns angetan haben und manchmal aus wirklich berechtigten Gründen.

Was tat Korach also? Er spaltete die Nation und jetzt, als er Anhänger hatte, fingen diese auch an, zu hassen und ihr Hass war grundlos, denn die Leute, die sich ihm anschlossen hatten keinen Grund für diesen Hass, sie schlossen sich einfach dem Protest an. Obwohl er also vielleicht einen berechtigten Grund dazu hatte, sich zu beschweren, so rief er doch grundlosen Hass in der ganzen Nation hervor. Und wir alle wissen, wie diese Geschichte endete. Er und alle seine Leute wurden von der Erde verschluckt. Und in Jerusalem zerstörte es den Tempel.

Rabbi Moshe Teitelbaum von Ihel, der Yismach Mosche (1758-1841) – nach ihm entwickelten sich die Siget und Satmar Dynastien – erzählte einmal seinen Enkelkindern, dass er in einem seiner früheren Leben zu der Generation der Israeliten gehört habe, die Ägypten verlassen haben. Sie fragten ihn natürlich, ob er sich an die Auseinandersetzung zwischen Korech and Moshe erinnerte und er sagte: natürlich. Sie fragten ihn daraufhin auf wessen Seite er bei diesem Streit stand. Der Yismach Moshe antwortete, dass er sich davon fern gehalten habe, denn auf beiden Seiten wären sehr gelehrte und respektierte Leute gewesen und er habe deshalb beschlossen, sich nicht einzumischen.

Aber genau das ist das Problem mit dem Hervorrufen von Streit und dem Verbreiten von Hass: andere Leute haben das Gefühl, dass sie sich für eine Seite entscheiden müssen und die Kreise des Hasses werden immer grösser, grundloser Hass entsteht bei Leuten, die überhaupt nichts von dem ursprünglichen Streit haben.

Lasst uns aus der Geschichte lernen und nicht die selben Fehler in der Zukunft machen. Lasst uns stattdessen überall um uns herum grundlose Liebe verbreiten, sodass wir von all dem Segen in der Torah schöpfen und das wieder aufbauen können, was zerstört worden ist.