Mein Einsatz bei ALEH, Orah Mendelberg, 17. Februar bis 12. März 2020

Mein Einsatz bei ALEH, Bnei Brak, Israel vom 17. Februar bis 12. März 2020:

Warum denn nur von Tel Aviv schwärmen? Auch Bnei Brak hat seine Reize!

Nein, nicht in den verrücktesten Träumen wäre ich auf die Idee gekommen, ausgerechnet in Bnei Brak ein Volontariat bei ALEH, Israels grösster Organisation für Menschen mit schwersten Beeinträchtigungen zu machen. Es müssen wohl die wundersamen Geschichten aus der charedischen Welt meiner Hebräisch – Lehrerin gewesen sein, die selbst aus Bnei Brak kommt und die nach und nach meine Neugierde geweckt haben müssen. So packte ich dann wieder einmal mehr meine Koffer. In meiner Tasche ein EasyJet-Ticket und die Gewissheit, ein kleines Appartement in Ramat Gan, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bnei Brak vorzufinden. Bereits das Boarding um 6.30 Uhr in Basel war ein wahrlich lebhaftes Unterfangen. Neben dem kleinen Heer offensichtlicher Touristen, drängten auch zahlreiche schwarz behutete, junge, fromme Männer mit ihren ebenso sehr jungen, Bräuten und ihren Sprösslingen an Board. Gelegentlich stand der eine oder andere von ihnen im Flugzeug auf, um Tfillin zu legen und sich im Gebet gen Osten zu wiegen. Nach einem tadellos sanften Flug über das Mittelmeer, schwebt unser Jet der Küstenlinie entgegen. Wir überfliegen den Großraum von Tel Aviv, wo unübersehbar massenweise Baukräne ihre Hälse in die Luft strecken – alles wächst, wird größer, höher, abgerissen, erweitert. Ein Land im kontinuierlich baulichen Hochflug.

Widererwarten geht nach der Ankunft alles ganz schnell. Nur eine kleine Menge wartet auf die Passkontrolle und der junge Mann am Schalter möchte überraschenderweise nur wissen, wie man meinen ersten Namen ausspricht. Keine weiteren Fragen, kein Bohren, kein Nachhaken. Nun noch den Koffer abholen und dann hinein in den turbulenten israelischen Alltag. Damit ich mich von nun an mit Bus und Zug unbeschwert kreuz und quer im Grossraum Tel Avivs bewegen kann, kaufe ich mir eine personalisierte RafKav (Monatskarte) – schwupp noch ein Photo von mir und schon ist mein Konterfei auf der Karte. Mit dem Zug geht es unverzüglich zur Tachanat HaHagana, und ein weiterer bringt mich zur Tachanat Savidor, direkt neben der Diamantenbörse in Ramat Gan gelegen. Um die letzten paar Kilometer zu meinem Appartement zu bewerkstelligen, benötige ich noch ein Taxi. Es geht nur schleppend vorwärts. Der Fahrer bewahrt die Ruhe! Eine Seltenheit, dafür lässt ein Hörer am eingeschalteten Radio zu diesem Thema mächtig Dampf ab. Recht hat er! Stau, Stopp und Go soweit das Auge reicht. Immerhin scheint die Sonne bei angenehmer Temperatur.

Ich beziehe meine kleine Wohnung im ursprünglichen Teil Ramat Gans, der noch einen relativ dichten Baumbestand hat. Die kubisch gebauten Häuser aus den 50ern, auf Betonpfeiler ruhend und zwischenzeitlich vom Verfall gezeichnet, werden wohl oder übel bald den monströsen Hochhäusern, die u.a. mit Hilfe chinesischer Bauarbeiter hochgezogen werden, weichen müssen. Ich sehe sie jeden Morgen um 7.00 Uhr im Gänsemarsch auf die Baustelle antreten, die sich gleich um die Ecke befindet.

Auch meine Unterkunft hat „Gründerjahre-Touch“. Ich fühle mich jedoch gut aufgehoben in ihr und zur Busstation in die Rechov Jabotinsky/Herzl ist es nur ein Steinwurf. Die Linien 68 und 70 sind wichtig für mich. Sie verbinden mich mit meinem Arbeitsplatz in Bnei Brak.

Mein erstes Treffen:

Um 9.10 Uhr treffe ich Nili, meine Ansprechpartnerin. Zehn Minuten zu spät. Das ist mir peinlich, doch finde sich mal einer das erste Mal im Strassen- und Gassengewirr von Bnei Brak zurecht. Wie gut, dass Pünktlichkeit in Israel ein recht dehnbarer Begriff ist und Verspätung großzügig Nachsicht walten lässt. ALEH Bnei Brak ist der erste von vier Standorten in Israel, an dem bereits vor nahezu 40 Jahren diese Einrichtung für Menschen mit schwersten Behinderungen gegründet wurde. Es ist ein Ort, an dem Religiosität und Zuneigung immer und überall sicht- und spürbar sind. Nili führt mich durch die diversen

Stockwerke, wo sie mich vorstellt und ich überall für eine Stunde reinschnuppern kann. Anschließend steht mir die Wahl frei, wo und wann ich arbeiten möchte. Ich entscheide mich für die „Pnimia“.

Auf diesem Stockwerk leben 24 Frauen und Männer mit schwersten physischen -und kognitiven Einschränkungen, welche auf komplette Hilfe in allen Bereichen des täglichen Lebens angewiesen sind. Keiner dieser Menschen kann seine/ihre Bedürfnisse verbal äusser, weißt schwerste körperliche Verformungen auf und ist ausschließlich auf den individuell geformten Rollstuhl angewiesen. Und doch blitzt immer wieder da und dort ein big smile in die Runde. Bereits schon bei der Begehung wird mir bewußt, in welch nicht alltäglichen „Melting Pot“ von Menschen ich hier gestolpert bin. Das Heim, das 1982 im Herzen von Bnei Brak gegründet wurde, ist auch zur Arbeitsstätte für die Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft geworden. Und diese Nachbarschaft scheint für die/den nicht-charedische/n BetrachterIn so ganz aus der Welt gefallen zu sein.

Die Linie 68 bringt mich also zur Gescher Bar Ilan Universität. Baruch ha Shem, in 20 Minuten sollte ich eigentlich diesen Stopp erreicht haben. Aber ha Shem will nicht immer, bzw. der Fahrer muss sich wohl oder übel der zähen Blechlawine fügen. Hier spuckt mich der Bus aus und augenblicklich öffnet sich vor mir eine gänzlich andere Welt. Umtriebige Familienväter mit fliegenden Schaufäden, den großrandigen Hut mal gerade auf dem Kopf, oder auch mal lässig nach hinten gekippt, bringen ihre lieben Kleinen eiligen Schrittes und geradeaus gerichteten Blickes in den Kindergarten. Die Kleidung ist strikt in schwarz und weiß gehalten. Es ist massgeblich der Hut oder die Kippa, die eine verbindliche Aussage zur jeweiligen Zugehörigkeit zu einer der zahlreichen chassidischen, bzw. ultraortodoxen, aschkenasischen, sefardischen oder orientalischen Glaubensgemeinschaften machen. Mädchen und Jungs werden schulisch von Anfang an getrennt. Wobei der Junge mit drei Jahren in den Cheder kommt um das Alef Bet (ABC) zu lernen um sich später in der Jeschiva (Lehrhaus) dem Thorastudium widmen zu können. Die Mädchen besuchen die Mädchenschule, wo sie überwiegend auf eine Zukunft als gute Frau und Mutter mit vorbildlichen Tugenden ausgestattet werden. Neben diesen Rollen ist es aber oft auch die Frau, die zur Arbeit geht und so das nötige Einkommen, nebst zahlreicher Kinder erwirtschaftet. Die Familien sind zahlenmäßig groß und so ist es keine Seltenheit, Vater und Mutter mit Kinderwagen und einer Schar Kindern umringt zu sehen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist für den Aussenstehenden ein Spaziergang am Donnerstagnachmittag durch die Einkaufsstrasse Rabbi Akiva. Dann nämlich werden Megaeinkäufe im Hinblick auf den nahenden Schabbat getätigt. Als Transportmittel werden eigenwillige Metallwagen verwendet und hin und wieder muss sogar ein leerer Kinderwagen die Last an Fleisch, Gemüse und zahllose Flaschen transportieren. Massenweise baumeln auch schon mal prall beladene Plastiktüten an jeder Hand.

Bnei Brak ist optisch betrachtet wahrlich keine Perle. Die meisten Häuser sind zweifellos in die Jahre gekommen, alles etwas schief und bröckelnd. Der Lebensraum beengt und von strengen rabbinischen Regeln geprägt. Die Anzahl an Synagogen ist beachtlich, wie auch die diversen überdimensional grossen Lehrhäuser der unterschiedlichen Gemeinschaften. Und doch ist da ein besonderer Spirit, der über allem zu schweben scheint, dazu diese Standhaftigkeit gegenüber der ringsum expandierenden Moderne und die Tatsache eines unverrückbaren Glaubens und die Verkörperung an das, was das Stetl in Polen einmal gewesen sein mag. Durch BB zu wandern, ist wahrhaft eine Zeitreise zurück zum Stetl des Ostens eines anderen Jahrhunderts. Manche der stets vorbei eilenden Figuren im Kaftan, weißen Kniestrümpfen, fliegenden und sorgfältig gedrehten Schläfenlocken und Streimel auf dem Kopf, scheinen gänzlich aus dem Rahmen eines längst vergilbten Bildes gestiegen zu sein.

Mein Arbeitstag beginnt um 8.00 Uhr mit einem Nescafe. Bereits sitzen 24 teils noch verschlafene, teils recht wache und hungrige BewoherInnen in ihren Rollstühlen. Ein Teil meiner Kolleginnen hat schon die Schicht um 7 Uhr begonnen, andere kommen dazu. Auch Schiras, die arabischstämmige Krankenschwester aus Tiberias, in ihrem kleinen Kabäuschen ist dabei Tabletten und Säftchen für alle

zu richten. Zunehmend entsteht ein kleiner Mikrokosmos auf engstem Raum. Die Putzfrau aus irgendwo in Russland, die nur ein paar Brocken Hebräisch spricht, wedelt mit ihrem Lappen, mehrere Äthiopierinnen verteilen Lätzchen in Vorbereitung auf das Frühstück und beschäftigen sich mit allerlei anderen Erledigungen. Hodaia und Michal, zwei junge, flinke und engagierte religiöse Frauen mit buntem Kopftuch, bzw. kunstvoll geschwungenem Turban orientieren sich an der Tagesordnung. Weitere Angestellte gesellen sich hinzu und bald schon entsteht ein Zustand babylonischen Sprachengewirrs zwischen Hebräisch, Russisch und Amhari.

Der Frühstückswagen wird gebracht, bestückt mit Hummus, hart gekochten Eiern, Quark und ein Mix aus passierten Tomaten, Gurken und Paprika. Flink werden 15 Teller vorbereitet. Da viele der BewohnerInnen an Schluckstörungen leiden, müssen die Eier fein geraffelt und mit dem Quark verrührt werden. Ich richte die Teller für „meine“ beiden Schützlinge M. und T.. Einmal in aufrechte Position gebracht u. mit Latz versehen, kann die Essensreichung beginnen. Da beide kognitiv sehr stark eingeschränkt sind und die, für den gesunden Menschen selbstverständlichen Abläufe hier nicht greifen, kann sich dieses Procedere durchaus über eine Stunde hinziehen. M. nimmt die Löffelportionen zwar sehr gut auf, kann sie jedoch danach nicht gleich in den Rachenraum befördern. So verweilt die Nahrung auf unbestimmte Zeit in der Mundhöhle, bis sie nach hinten rutscht und dadurch erst den Schluckreflex mit dazu hin und wieder auch heftigen Hustenattacken auslöst. Im Anschluss wird ein angedicktes Milch-Wassergemisch gelöffelt. Dieser Akt kann gut und gerne eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern. Mein zweiter „Sonnenschein“ ist von ruhiger Natur. T. leidet an extremer Spastik der Arme. Meist sind sie fest an ihre Brust gepresst und die Hand geschlossen. Doch sobald sie berührt wird, gestikuliert sie unkoordiniert um sich. Dies erfordert die Fixierung ihrer rechten Hand während des Essen. Um ihren Mund zu öffnen, bedarf es einer langen Stimulation. Dies geschieht, in dem ihre Unterlippe immer wieder mit dem Löffel angetippt wird. Relaxieren sie sich, so öffnet sich auch ihr Mund und sie kann das Essen aufnehmen. Ist der Schluckakt einmal abgeschlossen, öffnet sich auch ihr Mund unter Mithilfe des tippenden Löffels wieder. Das Augenmerk muss daher auch immer auf ihre Schluckbewegung gerichtet werden. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat ihre/seine ureigene Art die es unbedingt erfordert, bei der Nahrungsaufnahme zu berücksichtigen. Dank der zahlreichen älteren Damen aus dem Viertel, die nahezu täglich bei der Nahrungsaufnahme volontieren, ist die Frühstückszeit gegen 10.00 Uhr beendet.

Nun ist es Zeit für Aktivierung und Therapie. Dazu werden Stehbetten, Gehwagen, Matratzen, Keilkissen und natürlich der unverzichtbare Deckenlift in Aktion gebracht. Ch., in ihrem unbändigen Bewegungsdrang donnert schon eine ganze Weile auf ihren am Rollstuhl befestigten Esstisch. Sie möchte sich befreien und in Begleitung zwei Runden am Gehwagen laufen. Danach setzt sie sich einfach auf den Boden und bewegt sich auf allen Vieren oder rutscht auf ihrem Allerwertesten wohin sie Lust und Laune hat. Am liebsten in die Küche und schwupps zur Brotschublade. Dort stibitzt sie sich ein Stück heraus und ist happy. J., unser smily, wird mit Hilfe des Lifts aus seinem Rolli gehievt, auf das Stehbett gelegt, Beine und Oberkörper fixiert und danach in aufrechte Position gebracht. Andere wiederum, besonders jene mit hoher Schleimproduktion werden bäuchlings auf Matratzen gelegt, wobei der Oberkörper auf einem Keil liegt und der Kopf so frei über dem Boden schwingen kann. Zwei andere Bewohner mit hoher Schleimproduktion, werden zu dessen Lockerung an die Vibrationsmaschine angeschlossen. Lacht draussen die Sonne, fahre ich mit Aviv auf die Dachterrasse. Dort kann sich sein extrem spastischer Körper sichtlich entspannen und seine Schreiattacken minimieren sich. Erst vor wenigen Tagen habe ich dort oben Lavendel, Liebstöckel, Verbenen und Nana entdeckt, die ich gelegentlich zu Aroma-Therapiezwecken verwende. Zu denken, die Aktivierungsmaßnahmen werden still und stumm durchgeführt wäre weit gefehlt. Musikalisch geht die Post schon am frühen Morgen mit religiösen chassidisch-popig angehauchten Liedern ab und begleiten nahezu den ganzen morgentlichen

Ablauf. Etwas Maschiach (Messias)Atmosphäre liegt immer in der Luft, nicht nur hier im Haus, sondern über der ganzen Stadt.

Aber die Aktivierung, wenn auch überwiegend passiv, ist weitaus facettenreicher. Da ist die quirrlige immer gut gelaunte Schira, die hier im Hause arbeitet und immer mal wieder als Clownin mit lila Perücke, roter Knollennase und einem prächtigen Kostüm die tägliche Routine auf den Kopf stellt.. Sie bringt jedes traurige Gesicht zum Lachen oder Augen zum Strahlen. Sie wirbelt die Rollstühle durcheinander und reißt Grimassen oder rollt sich auf dem Boden. Gelegentlich erscheinen auch volontierende Mädchengruppen aus einer nahegelegenen Mädchenschule und fahren unsere „Süssen“ zu einem Nachbarschafts- Kinderspielplatz um dort lautstark musikalischen Dampf abzulassen, dabei werden unseren Schützlingen Lustiges und dazu viele stimulierende Impulse geboten.

Nähert sich Schabbat, wird jemand aus der Runde zum „Abba Schabbat“ ausgesucht. Eine ganz besondere Ehre! Dann wird ein Tisch in die Mitte der Rollstuhlrunde gestellt, so dass alle das Geschehen mitverfolgen können. Heute ist ein Schabbat-Käsekuchen angesagt. Jede und jeder darf die Zutaten bestaunen, bzw. betasten. Dabei geht es lustig zu und wie so oft, schrauben sich die gefühlten Dezibels in ungeahnte Höhen. Danach wird lebhaft gemixt und gerührt, der Teig macht nochmals die Runde, bevor er im Ofen verschwindet und anschliessend im Team verteilt wird. Für unsere Bewohner muss alles nochmals fein zerkleinert werden, um es dann löffelweise zu verabreichen.

Wir befinden uns im Monat Adar. Purim steht vor der Tür! Dafür wird schon jetzt tüchtig gebastelt. Neben Papierkronen und Hüten mit langen bunten Crepstreifen, darf natürlich die Königin Esther, der König Achaschwerosch und Mordechai nicht fehlen. Aber auch der Clown ist ein beliebtes Bild. Dazu erzählt die Lehrerin die Purimgeschichte. Zu meinem Erstaunen wächst in ihrer Version der Königsgemahlin Waschti ein Horn als Strafe dafür, dass sie dem Ruf ihres Mannes nicht Folge leistete. Und danach soll sie getötet worden sein. Aus feministischer Sicht wird Waschti aber als starke Frau bezeichnet, die es wagte, die Aufforderung zu ignorieren. Ein Fantasiespiel damals wie heute? Vielleicht! Wie dem auch sei, alle hatten ihren Spass. Und überhaupt, wurden im alten Orient nicht immer schon blühende und facettenreich verzierte Geschichten kreiert? Bei allen Aktivitäten dieser Abteilung bin ich unterstützend involviert.

Nahezu alle Bewohner leiden an extrem starken Kontrakturen und massiven Fehlstellungen der Arme und Finger. Obwohl dieser Zustand weitgehend irreversibel ist, bringen doch schon vorsichtige Bewegungen von Schulter und Armen etwas Linderung. So ziehe ich immer wieder meine Runden von Bewohner/in zu Bewohner/in, rede mit ihnen und lockere dabei ihre oberen Extremitäten. Dabei gilt es auf mimische oder stimmliche Signale zu achten, ob und wieviel an Bewegungen toleriert wird. Dies wird vom Team sehr geschätzt, bleibt doch für diese Übungen keine Zeit.

Die Abteilung „Pnimia“ ist ein sehr lebhafter Ort. Dreh- und Angelpunkt diverser Aktivitäten auch für Bewohnende anderer Abteilungen. ALEH ist ein offenes Haus, an dem Eltern und Angehörige der Bewohnenden immer willkommen – und ebenfalls auch gute und gelegentlich kritische Beobachter sind.

ALEH Bnei Brak ist eine Oase mit liebevollem, ideenreichem, sowie engagiertem Personal, das sein Bestes für jene gibt, welche das Leben nicht mit der Selbstverständlichkeit des eigenständigen Seins ausgerüstet hat. Eine gute Entscheidung, temporär ein Teilchen davon gewesen zu sein!

Anmerkung zu Bnei Brak: Die Stadt liegt nordöstlich von Tel Aviv und zählt zu deren Agglomeration Gush Dan. In BB leben an die 280.000 Einwohner, von denen die meisten chassidischen und ultraorthdoxen Ursprungs sind. Die Bevölkerungsdichte beträgt ca.28.000 Einwohner je Quadratkm. Sie gilt als die dicht besiedeltste und eine der ärmsten Städte in Israel. Gegründet wurde sie im Jahr 1924 von Rabbi Yizchak Gerstenkorn und einer Gruppe polnischer Chassidim. Sie bildet eines der Hauptzentren des Tora-Studiums und chassidischer Gruppen weltweit. In Israel wird BB neben Jerusalem als die Charedi-Stadt überhaupt angesehen. Ein „Bnei Brak“ wird im Tenach (Jos 19,45) als eine Stadt im Stammesgebiet Dan erwähnt, dann auch im Talmud und in der Haggada von Pessach im Zusammenhang von Rabbi Akiva.

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Sie reisen bald nach Israel und möchten an Orte die Sie noch nie zuvor besucht haben, oder immer mal besuchen wollten?

Ich empfehle Ihnen:

Eintauchen in eine Welt von Gestern und doch mitten im Hightech Israel von heute. Tauschen Sie für einen Tag den Strand von Tel Aviv mit der Lebendigkeit Bnei Braks und lassen Sie sich einfach überraschen.

· Bnei Brak, Rechov Rabbi Akiva, an einem Donnerstagnachmittag oder Freitagmorgen

Facettenreiche Kunst soweit das Auge reicht. Alleine schon das zweihundert Jahre alte, aufwendig restaurierte orientalische Gebäude ist sehenswert und der Blick aufs Mittelmeer grandios.

· Jaffo: Ilana Goor Museum, Rechov Mazal Dagim 4, Old Jaffo, www.ilanagoormuseum.org

Möchten Sie die Entstehungsgeschichte der ersten Stadtverwaltung Tel Avivs kennenlernen? Die dokumentationsreiche Biographie und das Büro im Original des ersten Bürgermeisters Meir Dizengoff bestaunen?

· Beit ha Ir – Tel Avivs erstes Rathaus, Rechov Bialik (1925 als Hotel geplant, aber bis Mitte der 60er Jahre Sitz der städtischen Verwaltung).

Eine spektakuläre Ausstellung von 21 Modell-Synagogen diverser aschkenasischer, sephardischer und orientalischer Gemeinschaften. Dazu Filme, Musik und Video Art.

Wechselnde Ausstellungen. Zur Zeit zu sehen sind:

– Operation „Moses“ 30 Jahre danach. Photo-Ausstellung und persönliche Interviews mit Immigranten der ersten Stunde.

– Let there be laughter: Jewish humor around the world.

– I am ready my Lord: A special performance art display in memory of Leonard Cohen.

· Beit ha Tfusot, Diaspora-Museum, Tel Aviv Universität Campus, Gate 2, Rechov Klausner Ramat Aviv

Frühlingszauber im blühenden Galiläa: Eine von mehreren Kreuzritter-Burgen ist Mivzar Jechiam (מבצר יחיעם) ca. 10 km südlich der Kreuzritter-Burg Montfort, oberhalb des gleichnamigen Kibbuz gelegen. Mittels eines Videos erfahren Sie die wechselvolle Geschichte dieser heutigen Burgruine und gleichzeitig die tragische Gründungsgeschichte des Kibbuz.

· Nationalpark Mivzar Jechiam, Kibbuz Jechiam, an der Route 89 von Naharia herkommend gelegen.